Intuitives Malen: So bringst Du Deine Gefühle aufs Papier!

intuitives Malen

Heute stelle ich Dir eine Technik vor, mit der ich selbst sehr gerne arbeite – in meinem Art Journal und auch darüber hinaus. Diese Technik heißt Intuitives Malen.

Beim Intuitiven Malen geht es darum, Deinen Gefühlen und Impulsen – eben Deiner Intuition – kreativen Ausdruck zu verleihen. Du malst also nicht ein Bild nach einer Vorlage oder einem Plan, sondern folgst Deinen Impulsen. Intuitives Malen ist vollkommen ergebnisoffen.

Vielleicht hört sich das im ersten Moment schwierig an. Es ist auch tatsächlich nicht so leicht, wirklich die Intuition sprechen zu lassen und nicht in den Prozess einzugreifen. Wie vieles andere ist auch das vor allem eines: Übungssache.

Die erste Regel: Es gibt (fast) keine Regeln.

Richtig ist, was Du malst. Fertig. Es gibt kein falsches Intuitives Malen. Egal, was auf Deinem Papier entsteht – es ist gut und richtig, so wie es ist. Wichtig ist nur, dass Du den Kopf so gut möglich ausschaltest und Deine Intuition übernehmen lässt. Ob Du dann wunderschöne Formen malst oder matschbraune Kleckse, ist egal.

Allerdings, da wir gerade von matschbraunen Klecksen sprechen: Eine Regel gibt es doch – oder vielleicht sollte man eher sagen, eine Empfehlung. Es empfiehlt sich, im Malprozess kühle und warme Farben zu trennen. Wenn man sie gleichzeitig verwendet, besteht die Gefahr, dass man am Ende eben recht viele bräunliche Mischfarben auf dem Papier hat. Weil das in der Regel nicht gewünscht ist, arbeitet man beim Intuitiven Malen oft mit Schichten – erst kühle Farben, dann warme, oder eben andersherum. Wenn Deiner Intuition aber natürlich nach braunen Klecksen ist, dann – go for it!

intuitives Malen

Kann jede:r intuitiv malen?

Absolut! Es kann sich am Anfang aber durchaus so anfühlen, als wäre es überhaupt nichts für Dich. Das liegt daran, dass das finale Werk sich in der Regel frühestens nach drei oder vier Schichten Farbe herauskristallisiert. Dazwischen wird es sich ziemlich sicher mehrmals so anfühlen, als hättest Du absolut keine Ahnung, was Du tust. Und eigentlich stimmt das ja auch – denn Du sollst ja nicht schon wissen, worauf Dein Bild hinausläuft.

Du brauchst also keine besonderen künstlerischen Fähigkeiten – aber Du brauchst ein wenig Mut, Vertrauen in Deine Intuition, und Durchhaltevermögen. Dann kann nichts schiefgehen!

In diesem Artikel zeige ich Dir ein paar meiner intuitiv entstandenen Bilder und Art Journal-Spreads. Ich finde sie vor allem deshalb spannend, weil ich mich und meinen Stil darin zwar sehe, aber trotzdem bewusst niemals auf diese Bildideen gekommen wäre. Das ist es, was das Intuitive Malen so spannend macht!

Hilfe! Was meine Intuition malt, gefällt mir nicht!

Für die meisten von uns ist es ein ziemlich schwieriger Schritt, der Intuition zu vertrauen. Oft geht es bei der ersten Schicht Farbe noch ganz gut. Aber irgendwann im Prozess kommt fast immer der Punkt, an dem man sich das Papier ansieht und sich fragt, was die Intuition sich denn bitte bei diesem wilden Farben-Durcheinander gedacht hat.

Die Antwort ist natürlich, dass die Intuition gar nicht denkt, sondern fühlt: Oh, ich möchte einen Kreis mit dieser Farbe machen. Und hier noch ein paar Tupfen in der anderen. Die Farbe fließt so schön, vielleicht streiche ich sie noch ein bisschen weiter hier rüber? Klar, dass dabei erst einmal wildes Gekleckse herauskommt.

Mir geht es bei wirklich jedem intuitiven Bild so, dass ich irgendwann – meistens nach der zweiten Schicht, wenn kalte und warme Farben zum ersten Mal wild übereinander tanzen – das ganze Werk einfach nur grauenvoll finde. Jedes Mal bin ich überzeugt, dass das Ergebnis dieses Mal fürchterlich sein wird.

intuitives Malen Workshop

Intuitive Mal-Magie

Und dann kommt bei jedem Bild – genauso zuverlässig wie der „Ist-das-schrecklich“-Moment – der magische Moment. Der Moment, in dem die Idee entsteht. Als dritte oder vierte Schicht arbeite ich in der Regel mit neutraleren Farben (oder mit einzelnen ausgewählten Farben, die ich davor schon im Bild verwendet habe), um das Bild zu beruhigen und Details herauszuarbeiten, die mir gefallen. Irgendwo in dieser Schicht „funkt“ es dann und eine Idee ist geboren.

Ab diesem Zeitpunkt gestalte ich bewusst. Die Intuition hat mich zur Idee geführt – jetzt greife ich bewusst ein, um die Idee an die Oberfläche zu befördern. Dieser Moment, in dem ich weiß, was mein Bild am Ende darstellen wird, fühlt sich jedes Mal wieder magisch an. Aus dem wilden, wahrscheinlich auch objektiv eher scheußlichen Chaos entsteht ein Bild, das ich in den meisten Fällen am Ende wirklich liebe.

Was bedeutet mein Bild?

Manchmal geht man das intuitive Malen ganz ohne einen thematischen Gedanken an. Dann kann es sein, dass sich im Laufe der Zeit eine „Botschaft“ oder ein Thema aus dem Bild herauskristallisiert – vielleicht aber auch nicht. Vielleicht weißt du manchmal gar nicht so genau, warum Deine Intuition Dich genau zu diesem Motiv geführt hat. Das ist okay!

Auf der anderen Seite kann man intuitives Malen aber auch sehr gut dann anwenden, wenn man sich mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen möchte. Ich zeige Dir zwei Beispiele aus meinem Art Journaling.

Intuitives Malen mit thematischem Fokus

intuitives Malen online

Bei diesem Bild beschäftigte mich im Vorfeld ein Gespräch, das ich mit einer Bekannten geführt habe. In diesem Gespräch hatte sich herausgestellt, dass sie Ansichten vertrat, die ich absolut nicht teile, und dass sie allgemein sehr viel Wut in sich trug. Ich wollte mich mit dem Gefühl, das dieses Gespräch bei mir auslöste, auseinandersetzen. Die Farben habe ich mit dem Thema im Hinterkopf ausgesucht, was wohl das viele Rot erklärt. Auch sonst ist im fertigen Spread das Thema sehr gut erkennbar.

Intuitives Malen ohne thematischen Fokus

intuitives Zeichnen

Bei diesem Spread bin ich dagegen ohne ein Thema im Kopf ans Werk gegangen. Ich habe Farben ausgesucht, die gerade zu meiner Stimmung passten. Auch im fertigen Bild sieht man, wie ich finde, eher eine Grundstimmung als eine klare „Message“. Ich kann das Bild in diesem Fall nicht besser erklären, als einfach zu sagen, dass es sich eben richtig anfühlte, genau das zu malen.

Spannend finde ich übrigens auch: Zwischen den beiden Bildern liegen etwa zwei Jahre, trotzdem sind sie in der Formsprache teilweise sehr ähnlich. Meine intuitive Malerei bringt oft organische, geschwungene Formen hervor, hier sind teilweise sogar die gleichen Farben zum Einsatz gekommen.

Wenn Dich intuitives Malen interessiert und Du gerne tiefer in das Thema einsteigen möchtest, habe ich übrigens noch einen Buchtipp für Dich:

Ich habe das intuitive Malen zuerst von Vanessa gelernt, die mir dazu das Buch „Brave Intuitive Painting“ von Flora Bowley ans Herz gelegt hat. Das Buch kann ich von ganzem Herzen empfehlen, wenn Du Dich noch tiefgründiger mit intuitivem Malen beschäftigen willst.

Es ist auch auf Deutsch erschienen, derzeit allerdings bei Amazon leider nur auf Englisch erhältlich.

Hier geht es direkt zum Buch!*

So, jetzt Du: Welche Fragen hast Du noch zum intuitiven Malen in Deinem Art Journal? Schreib sie mir gerne in die Kommentare oder auch direkt per E-Mail: judith@ideenstunde.de Ich freue mich, von Dir zu hören!

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