Gefühle malen, reißen und kleben: Wie Dein Art Journal helfen kann, wenn es Dir nicht gut geht

Ist es eigentlich in Ordnung, sich in so unsicheren und schwierigen Zeiten mit etwas so „Banalem“ wie der eigenen Kreativität zu beschäftigen?

Und was, wenn uns das aktuelle Weltgeschehen so beschäftigt, dass da kein Raum mehr für Inspiration bleibt?

Solche Fragen erreichen mich zurzeit öfter. Auch mich beschäftigt das aktuelle Geschehen und ich mache mir Gedanken. Manchmal schwirrt einfach zu viel in meinem Kopf herum, als dass ich mir vorstellen kann, mich jetzt mit Farben und Pinseln hinzusetzen.

Kann ich meine Gefühle durch Malen verarbeiten?

Dabei bin ich überzeugt, dass es gerade in so aufwühlenden Zeiten umso wichtiger ist, auf sich selbst zu achten und gut für die eigene mentale Gesundheit zu sorgen. Nur so können wir Stärke tanken und für uns und andere da sein. Hier können wir Art Journaling definitiv für uns nutzen! Es ist ein wunderbares Tool, um auch negative, belastende Gefühle durch Malen und Schreiben auszudrücken und zu verarbeiten.

Wenn ich mich mit dem Ziel an mein Art Journal setze, etwas zu bearbeiten, das mich bedrückt, habe ich keinen Anspruch daran, besonders schöne Spreads zu erstellen. Sie müssen nicht durchdacht komponiert sein und am Ende auch nicht ästhetisch wirken. Der Prozess steht ganz klar im Vordergrund. Sich diese Gefühle von der Seele zu malen und zu schreiben kann wirklich therapeutisch sein!

Heute möchte ich Dir ein paar Herangehensweisen an das Thema „negative Emotionen“ zeigen. Dafür habe ich ein paar Seiten in meinen Art Journals ausgesucht, in denen ich belastende Gefühle auf unterschiedliche Weise bearbeitet habe.

1. Aufschreiben, zerreißen und übermalen

Eine Technik, derer ich mich sehr häufig bediene, besteht darin, dass ich mir zunächst alles von der Seele schreibe, was mich gerade belastet. Das kann direkt im Art Journal passieren oder auf einem separaten Blatt Papier. Ich schreibe auf, welche Gedanken mich beschäftigen und wie es mir damit geht – aus dem Bauch heraus, ohne nachzudenken und bis mir nichts mehr einfällt. Ich nenne es „verbales Erbrechen“, und tatsächlich fühlt es sich auch ähnlich befreiend an.

Anschließend verarbeite ich das Geschriebene weiter. Wenn ich direkt im Art Journal geschrieben habe, übermale ich die Worte komplett oder teilweise und arbeite dann darüber mit neuen Elementen und Techniken weiter, die mich in dem Moment ansprechen.

Habe ich ein separates Blatt Papier verwendet, dann zerreiße ich es in kleine Schnipsel (auch dieser Prozess fühlt sich oft sehr erleichternd an!) und verarbeite diese im Art Journal weiter. Ein Beispiel dafür, wie das aussehen kann, siehst Du hier:

2. Gefühle intuitiv malen

Eine schöne Alternative zum „von der Seele schreiben“ ist es, sich die negativen Emotionen stattdessen „von der Seele zu malen“. Das hilft mir vor allem, wenn ich gerade gar nicht konkret sagen kann, was mich belastet. Vielleicht spüre ich gerade hohen Stress oder Druck, der auf mir lastet, weil viele Dinge gleichzeitig passieren, kann aber keinen konkreten Auslöser benennen. Dann ist es oft leichter, dieses Gefühl mit Farben und Formen auszudrücken als mit Worten.

Zum intuitiven Malen habe ich hier schon einen ausführlichen Artikel geschrieben. Der darin beschriebene Prozess funktioniert sehr gut, um auch negative Gefühle zu bearbeiten. Es muss aber natürlich nicht genau diese Vorgehensweise sein. Das Bild unten ist zum Beispiel auch ganz intuitiv entstanden:

Der Hintergrund war schon da (beim Aufbrauchen von Farbresten nach und nach entstanden). Als mich dann ein anstrengendes Gespräch sehr aufgewühlt hatte, stieß ich zufällig wieder auf die Seite und hatte auf einmal den fertigen Spread komplett vor Augen. Es ist immer noch einer meiner liebsten im ganzen Art Journal, weil er so intuitiv entstanden ist und genau das ausdrückt, was ich in dem Moment gefühlt habe.

3. Meditatives Malen zur Beruhigung

Manchmal sind die mentalen Kapazitäten nicht da, um tiefer in unsere negativen Emotionen einzutauchen und sie durch Schreiben oder Malen zu „bearbeiten“. Das ist vollkommen in Ordnung! Wenn es Dir gerade eher gut tun würde, einfach ein bisschen innere Ruhe wiederzufinden, ist meditatives Malen eine gute Alternative.

Es gibt verschiedene Herangehensweisen an meditatives Malen. Die bekannteste Technik sind sicherlich die Mandalas. Aber auch Zentangles – oder einfach sich wiederholende Muster – können sehr meditativ sein. Ein ausführlicher Artikel zum meditativen Malen kommt in den nächsten Wochen!

Hier zeige ich Dir zwei ganz unterschiedliche Spreads, die mit meditativen Maltechniken entstanden sind. Der untere ist noch unfertig – daran arbeite ich immer dann ein bisschen weiter, wenn ich mich blockiert fühle und entspannen will.

Der folgende Spread ist ebenfalls aus einem schon vorhandenen Hintergrund entstanden. Ich würde ihn als Mischung aus intuitiv und meditativ bezeichnen.

Du siehst also – es muss gar nicht immer ein Mandala oder eine vorgegebene Technik sein. Wenn Du Dich darauf einlässt, ist Dein Art Journal eine wundervolle Möglichkeit, mit negativen Emotionen umzugehen – egal, in welcher Form!

Hast Du weitere Strategien, wie Du Gefühle in Deinem Art Journal verarbeitest? Wenn ja, teile sie gerne in den Kommentaren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.