Was das innere Kind mit Deiner Kreativität zu tun hat (und warum das so wichtig ist!)

das innere kind und deine kreativität

Kennst Du das innere Kind?

Damit bezeichnen Psychologen den Anteil von uns, der von den Erfahrungen, Emotionen und Erinnerungen unserer Kindheit geprägt ist. Er steht sozusagen dem rationalen, reflektierenden Erwachsenen-Ich gegenüber.

Schließe einmal die Augen (okay – lies erst diesen Absatz zu Ende, dann schließe die Augen) und denke zurück an Dein fünfjähriges Ich. Wie hast Du damals Deine Kreativität erlebt?

Die Chancen sind hoch, dass Du Dich damals ziemlich selbstsicher in Deinem kreativen Schaffen gefühlt hast. Deine Bilder hast Du stolz Deinen Eltern gezeigt, die sie bewundert und vielleicht sogar in der Küche aufgehängt haben.

Sicherlich waren die Gemälde, die Du damals mit Deinen kleinen Händen erschaffen hast, keine Meisterwerke. Na und? Du warst ja auch ein Kind. Nur wirklich wenige, sehr schlecht gelaunte Erwachsene kämen auf die Idee, einer Fünfjährigen vom Malen abzuraten, weil ihre Sonnenblumen nicht aussehen wie die von van Gogh. Oder?

„Auf Pinterest sah das besser aus…“

Wenn wir als Erwachsene an kreative Hobbys herangehen, haben wir allerdings häufig unbewusst genau diesen Anspruch an uns selbst.

Wer beim ersten Versuch nur mittelmäßige Sonnenblumen aufs Papier bringt – oder den Versuch gar abbrechen muss, weil die Farben ineinandergelaufen sind und sich zu einem matschigen Braun vermischt haben – der wagt oft keinen zweiten Anlauf mehr. Dann kann ich das wohl nicht so gut, denken wir. Ich habe wohl nicht so viel Talent.

Wir tendieren dazu, mit uns selbst sehr kritisch und streng zu sein. Das kann den Versuch, wieder kreativ zu sein, aber heftig sabotieren und unter Umständen auch ganz zum Scheitern bringen. Stell Dir noch einmal Dein fünfjähriges Ich vor, das gerade ein Bild vollendet hat und einem Erwachsenen unter die Nase hält.

Stell Dir vor, der Erwachsene sagt wirklich: „Naja… irgendwie sieht das nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt habe. Diese Künstler-Accounts, denen ich bei Instagram folge, die haben das besser drauf. Ich glaube, das ist nichts für Dich.“

Hättest Du diesem Erwachsenen noch einmal ein Werk von Dir gezeigt? Wärst Du überhaupt noch so freudig und selbstsicher ans Malen herangegangen? Wohl eher nicht.

Wie das innere Kind Selbstkritik erlebt

Genauso geht es Deiner zaghaften inneren Künstlerin, wenn Du ihre ersten Gehversuche so hart beurteilst. Schneller, als Du gucken kannst, wird sie dann wieder in ihrem Schneckenhaus verschwinden. Und Du? Wirst das Projekt Kreativität frustriert für gescheitert erklären.

In dem – sehr lesenswerten! – Buch „Der Weg des Künstlers“ geht es darum, den Weg zurück zur eigenen Kreativität zu finden. Autorin Julia Cameron schreibt, dass bei Menschen, deren Kreativität lange blockiert war, der innere Künstler wie ein kleines Kind ist. Damit sich dieses Kind nach und nach immer mehr ins Licht traut, muss es liebevoll behandelt werden.

Wie ein unerfahrenes Kind wirst Du am Anfang wenig Vertrauen in Deine Fähigkeiten haben. Und, ja, Du wirst sehr wahrscheinlich einiges an objektiv ziemlich schlechter Kunst produzieren. Sei darauf vorbereitet und nimm das nicht als Grund, um direkt die Flinte ins Korn zu werfen.

Wie Du Deine innere Künstlerin strahlen lässt

Wie kannst Du stattdessen Dein scheues inneres Kind ermutigen und zu der Künstlerin heranwachsen lassen, die Du sein möchtest?

Ganz einfach: Indem Du Dich tatsächlich wie ein schüchternes, unsicheres Kind behandelst. Das bedeutet:

  • Viel Lob. Lobe Dich für Deinen Einsatz und die Tatsache, dass Du Dich bemühst. Lobe Dich, wenn Du etwas Neues ausprobiert hast, auch wenn Dir das Ergebnis noch nicht gefällt. Selbstverständlich darfst Du Dich auch für das Ergebnis loben, wenn etwas gut geklappt hat – aber mache positiven Zuspruch vom Ergebnis unabhängig. Sei stolz auf Dich, dass Du Dir Zeit nimmst und Einsatz zeigst, und klopf Dir dafür wirklich auch einmal ganz bewusst auf die Schulter.
  • Belohnungen. Wenn Du Deine Kreativzeit einhältst, belohne Dich. Gönn‘ Dir ein ausgiebiges Bad oder shoppe online nach Künstlerbedarf. Hast Du im Vorfeld Schwierigkeiten, Dich für die Kreativzeit zu motivieren, gestalte sie Dir so schmackhaft wie möglich. Vielleicht kannst Du beim Bäcker Deines Vertrauens einen großen Latte Macchiato holen und Dir Deine Lieblingsplaylist einschalten, bevor Du anfängst? Hab nicht den Anspruch, dass Du immer richtig Lust aufs Kreativsein haben musst. Es kann gerade am Anfang (aber nicht nur da) gut sein, dass Du auf innere Widerstände stößt. Da ist ein bisschen Selbstbestechung absolut legitim!
  • Zeige Deine Kunst am Anfang NIEMANDEM. Das ist natürlich ein bisschen Typsache, und Du musst Dich nicht daran halten, aber: Wenn Du Dir vorher die Erlaubnis gibst, dass Deine Werke geheim bleiben dürfen, nimmst Du Dir ganz viel Druck und Angst. An dieser Stelle möchte ich Dir einmal mehr ein Art Journal ans Herz legen! Unabhängig davon, ob Du Deine Seiten irgendwann teilen möchtest, empfehle ich ein Art Journal wirklich immer, weil das Format allein schon viel weniger Druck ausübt als beispielsweise eine Leinwand. Und außerdem kannst Du darin so viel „im Geheimen“ ausprobieren, wie Du willst – ohne dass Du irgendwann in Erklärungsnöte kommst, weil Du stapelweise Leinwände vor Deinem Mann zu verstecken versuchst.

Es kommt Dir albern vor, Dich so zu „betüddeln“? Kann ich verstehen – aber es ist nicht albern. Glaub mir: Wenn das etwas werden soll mit Dir und Deiner Kreativität, dann darfst und sollst Du Dich betüddeln, verwöhnen und Dir gut zureden. Du darfst Dir das wert sein! Erlaube Dir wirklich, Deine innere Künstlerin als das vorsichtige, zögerliche Kind zu behandeln, das sie ist. Sie wird es Dir danken, indem sie mit der Zeit immer mutiger, lauter, reifer und selbstbewusster wird. Gib ihr die Zeit, die sie braucht, um sich in eine ausgewachsene Künstlerin zu entwickeln!

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