Bullet Journal: 3 Ideen, damit es für Dich auch wirklich funktioniert

Das Bullet Journal ist einer der absolut größten Kreativ-Trends der letzten Jahre. Erst neulich war ich wieder in einem größeren Buchladen. In der Abteilung „Kreativität“ habe ich mehr als zehn unterschiedliche Bücher rund um das Thema Bullet Journal gefunden. Von Ideen zur Gestaltung bis zu fertigen Sticker-Heften – das „BuJo“ ist überall.

Und ja, ich selbst habe auch eins.

Natürlich.

ABER.

Wenn ich ehrlich bin, halte ich nicht viel von dem Hype, der um den künstlerisch-gestalterischen Aspekt des Bullet Journals gemacht wird. Ich erzähle Dir auch gleich, wieso das so ist.

Zunächst möchte ich aber die naheliegendste Frage beantworten: Ist ein Bullet Journal das einzig Wahre für kreative Köpfe? Solltest Du also auch eines haben?

Das Bullet Journal ist etwas für Dich, wenn Du…

… analoge Kalender magst. Ergo, Du möchtest gerne ein Notizbuch oder einen Planer haben, den Du in der Hand halten kannst, in dem Du blättern und von Hand Dinge notieren kannst. Wenn Dir das im Zeitalter des Google Kalenders auf Deinem Handy ziemlich altmodisch und überflüssig vorkommt, ist es vielleicht eher nichts für Dich.

… mit einem vorgedruckten Kalender nicht gut zurechtkommst und Du Dir mehr Flexibilität wünscht. Vielleicht brauchst Du manchmal eine ganze Seite, um einen besonders vollen Tag gut durchzustrukturieren. Zu anderen Zeiten würde Dir eine Seite für die ganze Woche locker reichen. Im Bullet Journal hast Du die Möglichkeit, immer genau so viel Platz zu nutzen, wie Du wirklich brauchst.

… mehr von Deinem Planer erwartest, als nur Termine zu notieren. Denn wenn Du wirklich nur aufschreiben willst, wann Du zum Zahnarzt musst oder zum Reifenwechsel, dann ist ein Bullet Journal ehrlich gesagt viel zu viel Arbeit. Mit einem vorgedruckten Kalender oder einer digitalen Lösung bist Du dann wirklich besser beraten. Das Bullet Journal ist eher für Dich geeignet, wenn Du nicht nur Termine verwalten möchtest sondern auch den Überblick über Projekte behalten, Geschenkideen notieren oder Gewohnheiten tracken möchtest.

Wie das Bullet Journal auch für Dich funktioniert

Du hast festgestellt, dass ein Bullet Journal auch für Dich geeignet sein könnte. Wie schaffst Du es jetzt, dass das System BuJo für Dich wirklich funktioniert?

1. Vergiss alles, was Du je bei Instagram und Pinterest gesehen hast

Ja, die Bullet Journals, die Du auf Social Media bewundern kannst, sind wirklich umwerfend. Und natürlich kann es Spaß machen, sich dort Ideen abzuschauen und das eigene BuJo möglichst kreativ zu gestalten. Aber ich sagte ja vorhin schon, dass ich davon nicht viel halte.

Die ursprüngliche Idee von Ryder Carroll hatte übrigens nichts mit besonders schicken Wochen-Übersichten oder Deko-Stickern zu tun. Es ging um schnelles, effizientes und logisches Strukturieren von To-Dos, Terminen, Ideen, Notizen und Erkenntnissen. Genauso betrachte auch ich mein Bullet Journal.

Meiner Meinung nach – und damit mache ich mich jetzt in der Kreativ-Community wahrscheinlich ein wenig unbeliebt – ist das Bullet Journal der völlig falsche Ort, um sich zu „verkünsteln“.

Mein Bullet Journal muss funktional sein. Ich möchte keine Hemmungen haben, schnell etwas zu notieren, auch wenn es dann unordentlich aussieht. Eine vorgestaltete Wochenübersicht finde ich unsinnig, weil ich im Voraus nicht weiß, wie viel Platz für Notizen ich an den jeweiligen Tagen brauchen werde. Würde ich mir den Platz also schon vorher für die ganze Woche einteilen, könnte ich ebenso gut gleich einen fertigen Kalender nutzen.

Die einzige Seite, die ich meist etwas „aufhübsche“, ist die Monatsübersicht. Hier investiere ich am Ende des Monats ein paar Minuten – maximal eine halbe Stunde – um die Doppelseite für den nächsten Monat zu gestalten und Termine und To-Dos zu notieren. Den Rest des Monats mache ich dann aber einfach Notizen, wie ich sie eben brauche:

Für mich ist das Bullet Journal ein wichtiges organisatorisches Tool, das mir vor allem Klarheit und Struktur gibt. Es soll mir (Denk-)Arbeit abnehmen – nicht zusätzliche Arbeit machen, indem ich jede Seite erst mühevoll gestalte, bevor ich sie dann tatsächlich funktional nutzen kann. Ab und an kommt vielleicht mal ein Sticker auf eine Projekt-Seite, aber das war es dann eben auch. Funktionalität geht hier für mich ganz klar vor Aussehen!

2. Finde Deine eigene Struktur

Es gibt einige klassische Elemente einer Bullet Journal-Struktur: Index, Jahresübersicht, Monatsübersichten, tägliche Notizen. Drumherum gilt: Alles kann, nichts muss. Es lohnt sich also, wenn Du ein neues Bullet Journal anfängst, Dir vorher einige Gedanken über die Struktur zu machen.

Welche zusätzlichen Seiten brauchst Du auf jeden Fall? Sind diese das ganze Jahr über relevant oder eher monatsspezifisch? Ich habe direkt hinter dem Index beispielsweise einige Seiten freigehalten für eine Business-Roadmap für das ganze Jahr, ein kleines Vision Board, Geschenkideen für Freunde und Familie, die mir über das Jahr so einfallen, und so weiter. Erst dahinter habe ich mit der Terminplanung für das Jahr und die einzelnen Monate angefangen.

Wenn Du im Lauf des Jahres weitere solche „allgemeinen“ Seiten brauchst, kannst Du Dir auch überlegen, sie ganz am Ende des Bullet Journals einzufügen. Ebenso ist es möglich, immer einfach die nächste freie Seite zu nehmen, denn schließlich kannst Du im Index genau notieren, was Du wo wiederfindest. Finde das System, mit dem Du Dich am wohlsten fühlst – genau das ist ja das Schöne am Bullet Journaling!

3. Sammle Erfahrungswerte und passe Dein Bullet Journal nach und nach an

Du wirst sicherlich im Lauf des Jahres feststellen, dass das System, das Du Dir am Anfang überlegt hast, noch nicht perfekt ist. Das Schöne ist, dass Du Dein Bullet Journal jederzeit anpassen kannst – und dass Du die Ideen und Erkenntnisse auch für das nächste BuJo sammelst. So optimierst Du Dein eigenes System nach und nach.

Ich habe beispielsweise festgestellt, dass ich die Jahresübersicht kaum nutze. Anfangs habe ich dort alle Termine eingetragen, die schon feststanden, und sie dann Anfang eines Monats jeweils für diesen Monat übertragen. Das hat sich aber immer wie unnötiger Mehraufwand angefühlt – denn diese Termine stehen zusätzlich immer auch in meinem Google-Kalender. Den nutze ich genauso wie das Bullet Journal täglich, weil ich damit auch Termine mit meinem Mann koordiniere.

Nun erscheint es mir wenig sinnvoll, die Termine aus dem digitalen Kalender in die Jahresübersicht und dann wieder in die Monatsübersicht zu übertragen. Ich bin also inzwischen von diesem System abgekommen. Eine Jahresübersicht werde ich wohl immer beibehalten, weil ich es mag, schnell blättern zu können und zu sehen, welcher Wochentag z.B. der 23. Oktober ist – aber in künftigen BuJos wird sie eben nur noch dafür da sein und braucht keinen Platz für Notizen mehr.

Die Termine Anfang des Monats aus dem digitalen Kalender in das Bullet Journal zu übertragen ist hingegen für mich sehr hilfreich. Denn im Google-Kalender stehen eben nur die Termine. Das Bullet Journal bietet mir dann die Möglichkeit, zu strukturieren: Wo ist noch freie Zeit? Wann kann ich Projekt X am besten angehen? Wie viel Freiraum habe ich diesen Monat allgemein? Wer hat Geburtstag und brauche ich noch Geschenke?

So passe ich das Bullet Journal nach und nach meinen Bedürfnissen an – und ähnlich wird es auch bei Dir aussehen. Erwarte nicht, dass es von Anfang an perfekt ist, und hab keine Angst, von der gängigen Struktur abzuweichen, wenn etwas anderes für Dich besser funktioniert!

Mein Fazit zum Thema Bullet Journal – gerade auch für kreative Köpfe!

Bist Du noch da?

Ich würde wetten, dass einige kopfschüttelnd aufgehört haben zu lesen, weil ich nichts von hübschen Wochenübersichten, elaboraten Habit-Trackern und sonstigem „gestalterischen Firlefanz“ im BuJo halte.

Wie gesagt, vielleicht mache ich mich hier ein wenig unbeliebt. Ich finde aber, dass gerade für uns kreative Köpfe der strukturierte Ansatz viel hilfreicher ist, als aus dem Bullet Journal ein weiteres kreatives Projekt zu machen, das Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht, die Du gar nicht hast – und künstlerische Ansprüche stellt, die Dich unter Druck setzen.

Wenn Du noch da bist, geht es Dir vielleicht ähnlich. Möglicherweise hast Du Dir bisher einfach nicht vorstellen können, woher Du Die Zeit nehmen sollst, auch noch ein Bullet Journal zu führen. Und genau das ist der Punkt. Das Bullet Journal, richtig angewendet, ist ein mächtiges Organisations-Tool. Es soll keine zusätzliche Aufgabe, sondern eine Unterstützung sein. Wie es aussieht, ist wirklich vollkommen egal.

Ich werde mein Bullet Journal sicherlich nicht auf Instagram posten – aber ich bin jeden Tag froh über die Struktur, die es meinem Arbeitsalltag gibt.

Wie denkst Du darüber? Schreib mir gerne einen Kommentar dazu!

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